Kommentare Brotbrechen

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Beiträge zu “Kommentare Brotbrechen

  1. Vielen Dank für diese interessanten Einblicke und Kommentare. Als nicht-Theologe verfolge ich die unterschiedlichen Positionen zu diesem Thema mit einer gewissen Faszination, ohne dabei in sämtliche Tiefen vordringen zu können.
    Unabhängig von der Position wird immer wieder die Gemeinschaft betont. Wer kann teilnehmen? Wer kann nicht teilnehmen? Was macht es mit uns, wenn Alte und Schwache in Zukunft mehr geschützt werden und analog vielleicht weniger häufig anwesend sind?
    Aktuell werden Ausschlussmechanismen hauptsächlich in Bezug auf leibliche Präsenz in Zeiten physischer Distanz diskutiert. Doch ähnliche Mechanismen wurden – wie im Artikel von Frank Vogelsang beschrieben – auch diskutiert in Bezug auf die Teilhabe am Abendmahl vor Ort. Wein oder Saft? Ein Kinderabendmahl? Gemeinschaft und Teilhabe sind auch im Analogen nicht zwangsläufig gegeben. Gibt es hier weitere Parallelen in der Debatte?

  2. Unser Projekt #2komma42 hat vor allem etwas mit dem Erkunden zu tun. Wie verändert sich unser Glaube, unsere christliche Gemeinschaft durch die Digitalität? Bei Gemeinschaft, Gebet, Hoffnungsgeschichten können wir uns der Frage: Wie funktioniert … oder wie ist möglich … beschreibend, beobachtend nähern. Da gibt es keine normativen Vorgaben, so sehe ich das. Anders ist das bei der vierten Frage: Ist Brotbrechen, ist das Abendmahl auch im Digitalen möglich? In dieser Frage gibt es zwei Ebenen: die Ebene der Erfahrung und die Ebene der gewachsenen, normativen Vorgaben. Bei Diskussionen, die aktuell wieder häufiger geführt werden, wird meist von der Erfahrungsebene abgesehen, die Diskussionen spielen sich überwiegend auf der Ebene der normativen Vorgaben ab. Das Abendmahl ist ein Sakrament, ein sichtbares Zeichen der Gnade Gottes, so leitet es die Theologie über die Konfessionen hinweg aus den biblischen Texten ab.

    Ob Brot und Wein nur Zeichen sind oder ob Christus in Brot und Wein gegenwärtig ist, schon darüber besteht unter den Konfessionen, auch innerhalb der evangelischen Kirche, unter Lutheranern und Reformierten, keine Einigkeit mehr. Zum Abendmahl gehört die feiernde Gemeinde, kann sich diese Gemeinde auch im Digitalen konstituieren, an verschiedenen Orten, über das Netz verbunden? Das ist eine weitere Frage. Die unterschiedlichen Meinungen zu dieser Frage begleiten die Entwicklung digitaler Kirchenformen und sind jetzt, zum Osterfest in dieser Pandemie, neu sichtbar geworden. All das sind theologische, kirchliche Fragen, weitere kommen hinzu, z.B. die Frage nach dem Amtsverständnis: Wer darf beim Abendmahl die Einsetzungsworte sprechen? Dass auch Nicht-Theologen in der evangelischen Kirche die Einsetzungsworte sprechen dürfen, ist noch relativ neu.
    Gerade weil ich keine Theologin bin, finde ich es aufschlussreich, diesen Diskussionen zu folgen, daraus zu lernen. Wissenschaftliche Diskussionen haben Voraussetzungen, Prämissen, leiten daraus Folgerungen ab, das ist ein bisschen ähnlich den Gleichungen in der Mathematik. Ich kann den Ableitungen gut folgen und bleibe doch seltsam unentschlossen, mich auf eine Seite zu stellen.

    Deshalb habe ich mich gefragt, warum das so ist. Die Antwort, die ich für mich vorerst gefunden habe: weil ich glaube, dass wir Gott, Christus mehr zutrauen dürfen. In einem Vortrag hat die evangelische Theologin Magdalene Frettlöh über die Eschatologie, die Lehre von den letzten Dingen gesagt, es müsse eigentlich die Lehre von den ersten Dingen sein, von dem Gott, der uns entgegenkommt, der neue Anfänge ermöglicht. Das ist für mich ein ganz zentrales Bild: Gott, der uns sieht, ansieht und uns entgegenkommt, der uns in Jesus Christus sagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Kann er dann nicht das Sakrament, das Zeichen seiner Gegenwart, in ganz unterschiedlichen Konstellationen möglich machen? Digital, vor Ort, in einem Mix zwischen digital und analog, in großer Gemeinschaft, in kleinem Kreis, auch in dem Moment, in dem ich nur alleine feiern kann? Für mich fühlt es sich so an, dass Gott, das Christus das kann. Uns entgegenkommen, gegenwärtig sein, sich unser annehmen, uns mit anderen Menschen, mit Glücklichen, mit Trauernden, mit Zweifelnden und mit denen, denen das alles fremd geworden ist, in seine Gemeinschaft nehmen, zum ersten Mal und immer wieder. Think big.

  3. Stimmt, die Gemeinschaft ist nicht verzichtbar, das sehe ich auch so. Trotzdem, denke ich, dass auch durch Medien ( Sprachnachricht, Video oder Life Streem) Gemeinschaft hergestellt werden kann. Gerade für die Personen, die ich in meinem letzten Satz erwähnte, bleibt ja nur diese Möglichkeit. Es wäre ja auch die Denkbar die Entscheidung jedem Einzelnen zu überlassen, ob man so Abendmahl feiern möchte. Landeskirchlich gibt es diese Möglichkeit aber nicht. Das halte ich für keine kluge Entscheidung. Hier wünschte ich mir Veränderung.

  4. Für mich ist ein Schlüsselvers Apg.2,46 Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen. Tempeldienst ( Gottesdienst) und Abendmahl klar an unterschiedlichen Orten.
    Hier und dort in den Häusern. Sie waren nicht immer alle beeinander. Ich glaube es waren manchmal auch kleinere Gruppen, und zu Hause. Deshalb sehe ich kein Problem damit, dass Abendmahl auch digital anzuleiten. Es geht doch zuerst einmal um die Gemeinschaft mit Gott. Das Gedenken an den Preis unserer Erlösung, und das eins machen in Brot und Wein mit Ihm. Ich nehme das Abendmahl auch schon mal alleine zu Hause, oder nur mit meiner Frau zusammen. Ich vermisse nichts dabei. Wir bereiten uns im Gebet darauf vor begegnen Gott in ganz besonderer Weise in dieser Zeit. Natürlich ist es schön mit den Geschwistern diesen heiligen Moment zu teilen, aber letztendlich stehe ich ganz persönlich mit Jesus in Verbindung. ICH nehme Brot und Wein zu mir. ICH schaue aufs Kreuz.
    Ein anderer Gedanke ist, dass man denen das Abendmahl vorenthält, die denken (oder gelehrt bekommen) das ginge nur im Gottesdienst mit anderen zusammen.

    1. Der Hinweis auf Apg 2,46 ist wichtig. Auch aus einem anderen Grunde. Er zeigt, dass die frühe christliche Gemeinde noch selbstverständlich am Gottesdienst im Tempel teilgenommen hat. Sie brachen das Brot in den Häusern. Natürlich, es entstanden ja immer weitere Gemeinschaften, die Abendmahl gefeiert haben. Ich habe in meinem Beitrag auch nicht darauf Bezug genommen, wer die Feier durchführt. Bis vor kurzem war es in unserer Kirche nur Ordinierten gestattet oder solchen Personen, die besonders instruiert worden waren. Ich würde auch dafür sprechen, hier mit dem Priestertum aller Glaubenden Ernst zu machen. Was also bleibt? Es bleibt die Frage, ob man sich selbst das Abendmahl geben kann. Das Abendmahl ist ja auch ein Zeugnis für den menschgewordenen Gott. Das Christentum hatte immer wieder mal in seiner Geschichte die Tendenz, den Geist so sehr zu betonen, dass alles Materielle unwichtig wurde. Ich möchte dafür plädieren, das Materielle ernst zu nehmen. Gott hat auch mit dem Körper zu tun und auch die Körper der Glaubenden bezeugen Gott. Die Gemeinschaft aber kann man doch sehr gut dadurch zum Ausdruck bringen, dass man Brot bricht und sich gegenseitig gibt. Das aber fällt weg bei dem Szenario, das ich beschrieben habe. Ich halte das für einen Verlust, weil die Tatsache, dass mir ein anderer, eine andere gibt, mich daran erinnert, dass ich nicht alles alleine bewerkstelligen kann. Der, die andere gibt an Gottes statt. Das stärkt und bestätigt die Gemeinschaft. Auch die Gemeinschaft ist nicht verzichtbar. Der Glaube ist nie nur der Glaube von Einzelnen. Bonhoeffer hat das sehr pointiert zum Ausdruck gebracht: Christus als Gemeinde existierend. Das Abendmahl hat eine wichtige Funktion, das deutlich zu machen!

  5. Bei Zeitzeichen hat mein lieber Freund Volker Leppin, Kirchengeschichtler in Tübingen, das Thema „digitales Abendmahl“ auch ausführlich beschrieben. Sehr gelehrt – und doch in meinen Augen fremd gegenüber gelebter Glaubenspraxis. Schade.

  6. Wer sollte beim digitalen Abendmahl die heilsame Nähe unseres Gottes nicht erfahren können? “ Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig“ (2Kor 3,6) ist mir da ein positiver Wegweiser, ein digitales Abendmahl sehr wohl als vollgültiges Abensmahl zu verstehen.

    1. Die Frage ist ja nicht, ob man die heilsame Nähe Gottes erfahren kann! Das kann man, Gott sei Dank, an vielen Orten und zu vielen Gelegenheiten (Matthäus 25 z.B.)! Das Abendmahl ist aber eine sehr spezfische Weise, in der die heilsame Nähe Gottes deutlich werden kann. Und diese Besonderheit würde ich nicht gerne einebnen in alle anderen Momente der Nähe Erfahrungen. Denn das Abendmahl hat eine besondere Kraft darin, dass es auf unsere materielle Bedürftigkeit hin anspricht, Essen und Trinken! Wir sind ja nicht nur Geist. Deshalb weise ich im Text auch auf die Klimakrise, die Dir ja auch sehr wichtig ist! Auch da kann man ja nicht sagen, dass die Klimakrise für Erfahrungen der Nähe Gottes nicht so relevant ist. Der materielle Vorgang der Klimakrise kann auch eine Erfahrung der Gottesferne sein…..

      1. Ich glaube, da hänge ich einfach zu wenig an einer ausgefeilten Systematik des Glaubens – und das meine ich jetzt nicht als Vorwurf an Dich. Ich verstehe uns beide als Suchende, Theologie so lebensfreundlich wie möglich zu gestalten.

        1. Klar, das sollten wir tun. Mir geht es auch nicht um eine Systematik, in dem Text habe ich ja sehr kritische Worte gegen einen Systematisierungsanspruch geschrieben. Mir geht es im Kern darum, den differenzierten Reichtum der biblischen Traditionen zu erhalten. Das Abendmahl ist eine wunderbare Chance, uns immer wieder daran zu erinnern, dass Gott wirklich (auch materiell, zeitlich, räumlich begrenzt) Mensch wurde…!

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