Was feiern wir, wenn wir Abendmahl feiern?

Rückblick auf den theologischen Roundtable zum Abendmahl

Im März 2020 war auch in Deutschland die Corona Krise endgültig angekommen und führte zu weitreichenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens, dem so genannten Lockdown. Das betraf zunächst einmal auch alle kirchlichen Veranstaltungen, also auch die Gottesdienste. Gleichzeitig stand die Osterzeit vor der Tür, der Gründonnerstag, dem Tag der Erinnerung an das erste Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern gefeiert hat.

Die Corona-Pandemie stellt die Frage nach dem digitalen Abendmahl mit größerer Dringlichkeit
Schon bald erwies sich die digitale Übertragbarkeit von Gottesdiensten als ein Segen in dieser Notzeit. Menschen konnten per Livestream oder Video auch an Gottesdiensten aus ihren vertrauten Kirchen vor Ort teilnehmen. Doch wie steht es um die Feier des Abendmahls? Setzt die Feier dieses zentralen christlichen Sakraments die Anwesenheit aller Feiernden in einem Raum voraus? Kann die Feier Menschen auch über digitale Medien miteinander verbinden, die sonst keine Chance haben, sich zu treffen? Es entstand recht bald eine lebhafte theologische Debatte um die Deutung des Abendmahls. In gewisser Weise hält diese Debatte bis heute an. Spannend ist zu beobachten, dass sich durch diesen äußeren Anlass verstärkt eine Diskussion um das Selbstverständnis der feiernden Gemeinde entfaltet!

Thesen zur Vorbereitung des Theologischen Roundtable
Die Evangelische Akademie im Rheinland hat deshalb im Rahmen ihres Jahresprojektes #2komma42 Theologinnen und Theologen ihrer Landeskirche zu einem theologischen Roundtable eingeladen, um sich zu dem Thema auszutauschen. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Abends waren eingeladen, zur Vorbereitung ein Thesenpapier bereit zu stellen, das die eigenen Überlegungen kurz skizziert. Einige sind der Aufforderung nachgekommen, die Thesen sollen online gestellt werden.

Der Roundtable selbst: Austausch in hybrider Form
Die Diskussion fand wegen der weiterhin bestehenden Beschränkungen und sozusagen dem Thema gemäß in einer hybriden Form statt: Einige der Diskutanten waren in Bonn im Haus der Kirche versammelt, andere waren per  Videokonferenzdazu geschaltet. Die Diskutierenden waren (in alphabetischer Reihenfolge): Dr. Martin Bock, Melanchthon-Akademie Köln, Martin Engels, Evangelisches Forum Bonn, Professor Dr. Markus Iff, Theologische Hochschule Ewersbach, Dr. Rebecca John-Klug, Projektleitung Erprobungsräume der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dr. Kathrin S. Kürzinger, Evangelische Akademie im Rheinland, Almut van Niekerk, Superintendentin des Kirchenkreises An Sieg und Rhein, Dr. Frank Peters, Gottesdienststelle der Evangelischen Kirche im Rheinland, Landeskirchenrat Ralf Peter Reimann, Arbeitsbereich Kommunikation der Evangelische Kirche im Rheinland, Petra Schulze, evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR und Leiterin des Ev. Rundfunkreferates NRW, Dr. Frank Vogelsang, Evangelische Akademie im Rheinland, Oliver Weidermann, Evangelisches Erwachsenenbildungswerk Rheinland-Süd. Das Gespräch moderierte Hella Blum, Evangelische Akademie im Rheinland.

Diskussion ging über die einfache Frage hinaus: Ist digitales Abendmahl möglich?
Der theologische Roundtable war ein Experiment, der Versuch, einmal in Ruhe und ohne den Zwang einer schnellen Festlegung theologische Fragen zu diskutieren. Deshalb würde es nun zu weit führen, dem Gesprächsverlauf im Einzelnen nachzugehen. Einig waren sich zum Schluss alle Beteiligten, dass sich die Diskussion gelohnt hat. Denn es wurde schnell deutlich, dass es nicht um die einfache Frage gehen kann: Ist digitales Abendmahl möglich? Hier könnte sich die Antwort möglicherweise auf ein Ja oder Nein beschränken und es würden sich zwei Gruppen gegenüberstehen.

Was feiern wir, wenn wir Abendmahl feiern?
Vielmehr geht es darum, so die einhellige Meinung am Roundtable, die aktuelle Diskussion zum Anlass zu nehmen, sich noch einmal auch des scheinbar Selbstverständlichen zu versichern. Dabei dürfe der Blick auf die Form nicht die zentrale Frage überlagern: Was feiern wir, wenn wir Abendmahl feiern?  Also wurde die tiefergehende Frage aufgegriffen, wie sie der Heidelberger Theologe Professor Michael Welker formuliert hat: Was geht eigentlich vor im Abendmahl? Hier wurde schnell deutlich, dass auch das Abendmahl vor Ort, in den Gemeinden, durchaus problematisch sein kann, wenn es als lediglich als Konvention gefeiert wird.

Was ist für eine gelingende Abendmahlsfeier wichtig?
So entwickelte sich das Gespräch eher als eine Suche nach einem gelingenden Abendmahl, im Analogen wie im Digitalen. Dabei wurde auch auf die Debatten der letzten Jahrzehnte Bezug genommen, etwa die Frage, ob Kinder am Abendmahl teilnehmen können oder auch die ökumenische Dimension.
Einige Punkte wurden immer wieder genannt: Das Abendmahl ist Christusbegegnung, es stiftet Gemeinschaft, ist Teil der Verkündigung und zeigt hin auf Gerechtigkeit und Friede, wie Christinnen und Christen sie erhoffen. Das macht das Sakrament so wichtig; darin stimmten alle Diskutierenden überein. Doch wie kann es gelingen, dass dies in den Gemeinden, bei der digitalen und auch der analogen Feier des Abendmahls, wieder deutlicher wird? Fordert vielleicht gerade die digitale Form dazu heraus, die Bedeutung des Abendmahls präziser und deutlicher herauszuarbeiten? Wichtig ist auch das Gespräch mit den Feiernden selbst: Wie erleben sie das (digitale) Abendmahl?

Lohnenswert: Aktueller Anlass gab Gelegenheit zu einer vertieften Diskussion
Nach diesem Gespräch ist die Diskussion natürlich nicht beendet. Das Gespräch aber zeigte, dass es sich lohnt, aktuelle Vorgänge zum Anlass für eine vertiefte theologische Diskussion zu nehmen. Es geht ja nicht nur darum, jene zu erreichen, die schon am Abendmahl teilnehmen, sondern auch jene, die außen stehen. Wie also kann das Abendmahl ein wirkkräftiges Zeugnis für die christliche Existenz sein? Weitere Debatten werden folgen und das ist auch gut so!