Hoffnung in Zeiten der Corona-Pandemie

Ein Beitrag von Professor em. Dr. Jürgen Moltmann

Professor em. Jürgen Moltmann, im Hospitalhof Stuttgart, März 2016. Foto: Maeterlinck, CC BY-SA 4.0
Professor em. Dr. Jürgen Moltmann, März 2016

Gott erspart uns nicht das „finstere Tal“, das Tal des Todes, aber er ist bei uns in unseren Ängsten über die Naturkatastrophen der Viren und in den menschengemachten Umweltkatastrophen. Darum fürchte ich „kein Unglück“, denn das ewige Du ist bei mir. „Nah ist und schwer zu fassen der Gott“, dichtete Hölderlin. Nicht der ferne Gott ist schwer zu fassen, sondern der nahe Gott.

Im Ende – der Anfang! Das ist christliche Hoffnung. Sie gründet in der Erinnerung an das Ende Christi – Tod und Auferstehung – richtet sich auf was immer wir als „Ende“ erfahren. Der „Gott der Hoffnung“ gibt immer einen Anfang, wenn wir am Ende sind. Im Tode weckt er uns zum neuen, ewigen Leben in seiner kommenden Welt auf.

Die Frage: Warum lässt Gott das zu?, ist eine Zuschauerfrage, nicht die Frage der Betroffenen. Sie fragen nach Heilung und Trost. Als ich das Ende meiner Heimatstadt Hamburg im Feuersturm im Juli 1943 überlebte, habe ich nach Gott geschrien um Rettung und nicht die Warumfrage gestellt.

Wer gewinnt in Zeiten der Pandemie?

  1. Der tägliche Konkurrenzkampf der Menschen ist stillgelegt. Da alle betroffen sind, lernen sie jetzt, die Solidarität zu schätzen. In der erzwungenen Stille lernen sie Geduld.
  2. Der größte Gewinner aber ist die Natur. Ich bin gespannt auf die CO2-Bilanz des Jahres 2020. Die naturgemachte Katastrophe hat auf der ganzen Menschenwelt zu einschneidenden Maßnahmen geführt. Die menschengemachte Umweltkatastrophe sollte mit ähnlichen Maßnahmen und einer ähnlichen Solidarität bekämpft werden.

Prof. em. Dr. Jürgen Moltmann, 23. März 2020