Hoffnung auf Nachhaltigkeit

Ein Beitrag von Henrike Lederer

 

Henrike Lederer. Bildnachweis: Fotoatelier Marko Luptscho

Entwicklung ist nach der Definition des Brundtland-Berichts dann nachhaltig, wenn sie „die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ (Hauff & Brundtland 1987, S. 46). Es bedeutet Ressourcen nur soweit zu nutzen, dass diese auch zukünftigen Generationen in gleicher Qualität und Menge zur Verfügung stehen. Bei näherer Betrachtung wird die Komplexität von nachhaltiger Entwicklung deutlich: Sie ist sehr kleinteilig, vielschichtig und häufig nicht so richtig greifbar. Besonders im Hinblick auf das Überangebot an Reise-Möglichkeiten, Nahrungsmitteln, Kleidung und anderen Konsumgütern hier im globalen Norden.

Ambivalenz als Teil des eigenen Lebens

Wenn ich mein eigenes Leben anschaue, stelle ich fest: Mir fällt es schwer in meinem Alltag nachhaltig zu leben und zu handeln. Kleine Schritte wie ein festes Shampoo, selbstgemachtes Deo und die Holzzahnbürste, sind sicher ein Anfang, um Ressourcen zu sparen und Müll zu vermeiden. Sie sind in meinen Alltag bereits integriert. In anderen Bereichen merke ich allerdings, ich möchte gerne nachhaltiger leben und scheitere doch immer wieder. Beim Einkauf greife ich zu kleinteilig verpackter Markenschokolade und für den Arbeitsweg nutze ich mein benzinbetriebenes Auto. Ich weiß, dass das nicht nachhaltig ist und dennoch mache ich es. Mir ist es wichtig, die Ambivalenz zwischen dem Wollen und dem Tun im Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung zu benennen. Diese Ambivalenz ist Teil meines Lebens, das zu akzeptieren, hilft mir, nicht zu resignieren, sondern mich weiterhin hoffnungsvoll der Herausforderung eines nachhaltigen Lebensstils zu stellen.

Das Abendmahl schenkt die Möglichkeit eines Neuanfangs

Hoffnung gibt mir in diesem Zusammenhang auch der christliche Glaube. In Apostelgeschichte 2,42-47 steht das gemeinsame Abendmahl im Mittelpunkt. Im Abendmahl bezeugen Christ*innen bis heute, dass Jesus Christus für ihre Schuld und ihr Unvermögen gelitten hat und gestorben ist. Das Abendmahl schenkt mir die Möglichkeit eines Neuanfangs und bedeutet für mich Hoffnung über meine eigene Kraft hinaus. Die ersten Gemeinden zur Zeit der Apostelgeschichte hatten eine Vision, sie schlossen sich zu Gemeinschaften zusammen und teilten ihren Besitz. In Bezug auf nachhaltige Entwicklung heute ist es auch das gemeinsame Engagement von Menschen mit einer Vision das, was mir Hoffnung macht.

Gemeinsam ist Veränderung möglich

Durch das gemeinsame Engagement kann etwas Größeres entstehen und ist Veränderung möglich. Umweltorganisationen, Nachbarschaftshilfe, Fridays for Future, Foodsharing oder Tafelläden, sind für mich in diesem Zusammenhang wichtige Beispiele. Ebenso machen mir nachhaltigere Versorgungsmöglichkeiten Hoffnung z.B. die Zunahme an Unverpackt-Läden und solidarischer Landwirtschaft.

Auch für nachhaltigere Mobilität im ländlichen Raum gibt es bereits interessante Strategien und Lösungsansätze. Neben Mitfahrbänken oder Fahrradautobahnen, kann hier die Digitalisierung ein Schlüssel sein. So können z.B. Apps dabei helfen Fahrgemeinschaften zu bilden oder die Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel erleichtern.

Gerade im christlichen Kontext ist die Bewahrung der Schöpfung ein wichtiges Thema, das auf vielen Wegen umgesetzt wird. In der evangelischen Kirche gibt es z.B. die Hilfe durch Klimamanager*innen bei der Umsetzung von Klimaschutzkonzepten und eine Plattform zur ökofairen Beschaffung. Für die Kirche bieten auch die sozialen Medien viele Möglichkeiten um Menschen zu erreichen. Hier beeindrucken mich insbesondere Pfarrer*innen die authentisch von ihrem Leben und ihrer Hoffnung erzählen und so Kirche digital leben. Das hinterlässt nachhaltige Eindrücke und bewegt Menschen auch außerhalb der sozialen Medien gemeinsam aktiv zu werden.

Hoffnungsschimmer für eine nachhaltige Entwicklung

All das sind Hoffnungsschimmer für eine nachhaltige Entwicklung im Umgang mit Ressourcen, im miteinander Leben und Wirtschaften. Diese Hoffnungsschimmer machen mir Mut, selbst weiterhin aktiv zu sein. In meiner Arbeit möchte ich dazu beitragen, den Austausch und die Diskussion über nachhaltige Entwicklung insbesondere im ländlichen Raum zu fördern und Raum für Kreativität schaffen.

Gesellschaftlich sind wir zu großen Veränderungen fähig, das haben nicht zuletzt die einschneidenden Maßnahmen in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gezeigt. Ich hoffe, dass neben dem Einsatz aus der Zivilgesellschaft, auch politische Entscheidungen und wirtschaftliche Veränderungen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung mutiger angegangen werden. Hier wünsche ich mir konkrete Schritte, wie den stärkeren Ausbau von Fahrradwegen, die Förderung von umweltfreundlichen Verkehrsmitteln und mehr unverpackte, ökologische und fair gehandelten Produkten in Supermärkten. Sodass Hoffnung auf nachhaltige Entwicklung durch gesamtgesellschaftliche Veränderungsprozesse konkret wird.

Literatur: Hauff, V., & Brundtland, G. H. (1987). Unsere gemeinsame Zukunft: [der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung]. Berlin.

 

Zur Person:

Henrike Lederer ist Agrarwissenschaftlerin und Referentin für nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume an der Evangelischen Landjugendakademie Altenkirchen. Zu ihren Fachgebieten zählen Umwelt- und Klimabildung, Bildung für Nachhaltige Entwicklung sowie Landwirtschaft und Agrarpolitik.

 

Was bewegt Sie? Schreiben Sie uns Ihre Gedanken zum Beitrag von Henrike Lederer als Kommentar!

 

Weiterführende Links:

Mobilität im ländlichen Raum: Expertise
Mitfahrerbank
Ökofaire Beschaffung: http://www.zukunft-einkaufen.de/
Klimamanager*in der EKIR