„Digital wird die Gemeinschaft größer.“

Wenn von Gemeinschaft im Digitalen gesprochen wird, muss ich immer an mein Freiwilliges Soziales Jahr denken. Vor nun fast zehn Jahren habe ich meinen Freiwilligendienst mit der Vereinten Evangelischen Mission auf den Philippinen angetreten. Während und nach diesem Jahr habe ich Gemeinschaft im Digitalen neu kennen gelernt. Zwei Dinge waren dafür zentral:

Studienleiter Till Christofzik. Foto: privat
Studienleiter Till Christofzik. Foto: privat

Auf den Philippinen wird der Gottesdienst vor Ort und im Livestream gefeiert
Zum einen lebte meine gastgebende Kirche, die United Church of Christ in the Philippines, schon damals ein anderes Verständnis von Kirche, als ich es aus Deutschland kannte. Es war gängig, dass der Gottesdienst ins Netz gestreamt wurden und Gemeindeglieder, die nicht anwesend sein konnten, über den Stream gegrüßt wurden. Ihre Fürbitten kamen im Stream an und wurden Teil des gemeinsamen Gebets. Das alles geschah ganz selbstverständlich und parallel zum analogen Gottesdienst.

Über das Netz wurde trotz großer Entfernung die Gemeinschaft bewahrt
Einer der Gründe dafür sind sicherlich die vielen Overseas Filipino Worker, die Millionen von Filipinos, die temporär im Ausland arbeiten und zum Gottesdienst dazu kamen – als Väter, Mütter, Töchter, Söhne und Enkel derjenigen, die vor Ort Gottesdienst feiern. Das Digitale ermöglichte Vertrautes zu erhalten und Gemeinschaft zu erfahren, auch wenn man tausende Kilometer entfernt war.

Während meines FJS wurde ich Teil eines großen Netzwerkes in der digitalen Welt
Zum anderen ließ das Digitale in dieser Zeit auch neue Gemeinschaft entstehen. Denn auf einmal war ich Teil eines großen Netzwerkes von Menschen, die ich zwar nicht immer aus der analogen Welt kannte, aber die sich mir auf die eine oder andere Weise verbunden fühlten: Kontakte von verschiedenen Kontinenten, Berichte über Herausforderungen und schöne Ereignisse aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen.

Heute überschneiden sich die digitale und die analoge Sphäre immer wieder
Das Eindrücklichste für mich ist jedoch, dass diese digitale Gemeinschaft nicht abgebrochen ist, als mein Freiwilliges Soziales Jahr zu Ende war. Auch heute noch überschneiden sich die digitale und die analoge Sphäre  immer wieder. Ich begegne Menschen. mit denen ich zuerst im Digitalen verbunden war und heute noch bin, auch in der Kohlenstoffwelt – in Konferenzen, in Büros in Manila oder in Gemeindehäusern in Duisburg oder Wuppertal.

Das Digitale schafft Nähe auch bei räumlicher Entfernung
Natürlich gab es Netzwerke auch vor dem digitalen Wandel, aber ich habe das Gefühl, dass heute vieles, das räumlich weit weg ist, dennoch gefühlt sehr nah ist und dazu trägt das Digitale maßgeblich bei.