„Beherzt gegen Hass!“

Wie Personen des öffentlichen Lebens mit Hassbotschaften umgehen

Die Social-Media-Pfarrerin Theresa Brückner, der Bundestagsabgeordnete und Integrationsbeauftragte der SPD-Fraktion, Dr. Karamba Diaby, und Dr. Michael Blume, Antisemitismusbeauftragter der baden-württembergischen Landesregierung,  haben bei einer Online-Veranstaltung am 24. Juni 2020 Einblick in ihre persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Hassbotschaften gegeben.

Den Abend moderierte die Rundfunk- und Fernsehjournalistin Anja Backhaus. In diesem Artikel hält sie erste Eindrücke und Notizen aus den Vorgesprächen mit den Podiumsteilnehmerinnen und Podiumsteilnehmern fest.

 

Das Foto zeigt Dr. Karamba Diaby MdB. Foto: Ute Langkafel
Das Foto zeigt Dr. Karamba Diaby MdB. Foto: Ute Langkafel

Dr. Karamba Diaby
„Sie sind hier nicht erwünscht.“
Sie sind hier nicht erwünscht. Leben Sie Ihre Vielfalt im Senegal aus“. Dieser Kommentar steht unter einem Foto, das Dr. Karamba Diaby bei Twitter gepostet hatte. Auf dem Bild sieht man ihn vor dem Bundestag, mit einem Schild in der Hand, auf dem steht „Offen für Vielfalt“. Dr. Karamba Diaby wurde 2013 für die SPD in den deutschen Bundestag gewählt – als erster in Afrika geborener, schwarzer Mensch. Täglich wird Karamba Diaby über die sozialen Netzwerke beleidigt, beschimpft und bedroht. Viele Angriffe im Netz sind rassistisch motiviert. Einschüchtern lässt er sich von den Hassbotschaften aber nicht, denn das sei das Ziel einer Minderheit, die im Netz besonders laut und aktiv ist, sagt Dr. Diaby. Die Mehrheit der Menschen stehe hinter ihm, denn sie habe ihn ja schließlich gewählt. Im Januar dieses Jahres hat die Gewalt ein neues Level erreicht. Auf sein Bürgerbüro in Halle wurde geschossen. Aber auch dadurch lässt er sich nicht abhalten, sich weiter aktiv für eine freie, tolerante und vielfältige Demokratie einzusetzen.

 

Das Foto zeigt den Antisemitismusbeauftragten des Landes Baden-Württemberg, Dr. Michael Blume. Foto: Loges + Langen 2019
Dr. Michael Blume. Foto: Loges + Langen 2019

Dr. Michael Blume
„Unsere digitalisierte Medienwelt bewirkt starke Verunsicherung.“

Nicht nur rassistisch motivierter Hass kursiert täglich im Internet. Auch die antisemitischen Verschwörungstheorien, die sich seit Jahrhunderten halten, haben schnell Einzug in die digitale Welt erhalten. Über Gerüchte, Vermutungen, Verschwörungstheorien wird schon seit über 800 Jahren Juden die Schuld für Unglück und Leid zugeschoben, das über die Menschen hereinbrach. Dr. Michael Blume, der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung Baden-Württemberg, vermutet, dass „unsere digitalisierte Medienwelt eine starke Verunsicherung bestimmter gesellschaftlicher Kreise bewirke, die für bestehende und gezielt geschürte Ängste Schuldige suchen, was vielfach zu Hass gegen Juden und deren vermeintliche Helfer führe.“ Aufklärung und politische Bildung seien ein Weg, Menschen zu stärken, damit sie nicht auf die Mythen hereinfallen, sagt Michael Blume. Aber was ist mit denen, die sich nicht belehren lassen? Wie weit sie gehen können, hat uns die Geschichte gelehrt.

 

Das Foto zeigt die Berliner Social-Media-Pfarrerin Theresa Brückner. Foto: Eike Thies
Die Berliner Social-Media-Pfarrerrin Theresa Brückner. Foto: Eike Thies

Theresa Brückner:
„Es hilft, darüber zu sprechen!

Neben den Schattenseiten bietet das Internet aber auch Chancen und Möglichkeiten der Teilhabe. Theresa Brückner ist seit 2019 Pfarrerin für Kirche im digitalen Raum im Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg. Sie sieht das Netz auch als einen Ort der Begegnung. Menschen, die nicht mehr mobil sind, Menschen, die ihre Trans-Identität nicht in der Öffentlichkeit preisgeben wollen, Menschen, die wenig Zeit haben, können im Netz anderen begegnen, ohne die Hürden, die ihnen im analogen Raum im Weg stehen.

Theresa Brückner spricht ihre Gemeinde über Online-Gottesdienste an oder erklärt im eigenen Videoblog, wie der Alltag einer Pfarrerin aussieht. Auch sie wird immer mal wieder über Kommentare im Netz bedroht und beleidigt. Anfangs haben die Hassbotschaften sie sehr getroffen und verunsichert. Mittlerweile lässt sie sich nicht mehr davon einschüchtern. „Es helfe, darüber zu sprechen“ – meint Theresa Brückner.

Das Foto zeigt die Rundfunk- und Fernsehjournalistin Anja Backhaus. Foto: Immo Fuchs
Das Foto zeigt die Rundfunk- und Fernsehjournalistin Anja Backhaus. Foto: Immo Fuchs

Die Interviews mit Theresa Brückner, Dr. Michael Blume und Dr. Karamba Diaby hat die Rundfunk- und Fernsehjournalistin Anja Backhaus geführt.

Zu der Online-Veranstaltung hat die Evangelische Akademie im Rheinland gemeinsam mit der Melanchthon-Akademie Köln eingeladen.

 

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